Roadtrip durch Kanadas Westen: Von Whistler in die Rocky Mountains

Im Mai wurde ein schon lang gehegter Traum wahr: ein Roadtrip durch den Westen Kanadas! Immer entlang atemberaubender Bergketten, wunderschöner Seen, an Wäldern soweit das Auge reicht und dabei noch die einzigartige Tierwelt Kanadas erleben. Das war die Idee. Aber so ein Trip erfordert natürlich auch einiges an Planung, vor allem, wenn man “nur” drei Wochen Zeit hat. Die Route, die wir uns überlegten, änderte sich im Lauf der Reise (dazu später mehr), aber am Anfang lief alles nach Plan. Erster Stop: Whistler.

Über den Sea-to-Sky Highway nach Whistler

Ehrlich gesagt, war mir Whistler vorher gar nicht so ein großer Begriff, obwohl ich nun natürlich weiß, dass dies ein weltbekanntes Skigebiet ist und sogar Austragungsort der olympischen Spiele 2010 in Kanada war. Man lernt ja dazu 🙂 Zunächst einmal erschien es aber einfach als guter Zwischenstop auf der Reise von Vancouver in die Rocky Mountains. Also schnappten wir uns am Anreisetag in Vancouver unseren Mietwagen und machten uns auf den Weg zum etwa 1,5 Stunden entfernten Whistler.

Am Tag unserer Ankunft lag eine tiefe Wolkendecke über Vancouver und hing in den nahe gelegenen Bergen. Einmal aus Vancouver raus, führte uns der Sea-to-Sky Highway zunächst immer entlang der Küste über Horseshoe Bay und Squamish nach Whistler. Ich hätte nicht erwartet, bereits kurz nach der Ankunft in Kanada schon so beeindruckt zu sein, aber es war einfach zu schön. Das Meer, die Berge, die tief hängenden Wolken. Einfach mystisch!

Nachdem wir erst abends ankamen und schließlich einen fast 10-stündigen Flug hinter uns hatten, standen keine Aktivitäten mehr auf dem Plan, außer: Essen und Bett. Übernachtet haben wir in der wunderschönen Lake Placid Lodge in Whistler Creekside. Whistler muss man sich als Ort zweigeteilt vorstellen: Es gibt das etwas ruhigere Creekside und das (etwa 5 – 10 Fahrminuten entfernte) belebtere Village.

Aktivitäten in Whistler, außer Skifahren!

Der erste Tag war etwas grau und regnerisch, was uns aber gar nichts ausmachte. Die Stadt war für uns der ideale Ausgangspunkt, um erst einmal anzukommen in Kanada. Gleich morgens führte unser erster Weg zum nahe gelegenen Nita Lake, der sich für einen ausgiebigen Spaziergang oder auch wunderbar als Jogging-Strecke eignet. Gleich angrenzend, befindet sich die Whistler Railway Station, wo man zu bestimmten Zeiten ältere Züge bei der Durchfahrt bestaunen kann.

Erster Stop: Das berühmte Skigebiet bei Whistler!

Zum Mittagessen waren wir im Southside Diner, das ich uneingeschränkt empfehlen kann. Hier ist immer ziemlich viel los und trotz Nebensaison mussten wir auf einen Tisch warten. Aber das Essen ist sehr gut, die Bedienungen sehr freundlich und man fühlt sich hier einfach wohl.

Am Nachmittag wollten wir eigentlich das Parkhurst Ghost Village besuchen. Ein Lost Place in den Wäldern am Green Lake. Aber um es mal vorweg zu nehmen: Wir sind circa 2 Stunden durch den Wald geirrt, zusammen mit zwei Kanadierinnen, die den Ort ebenfalls suchten: Ohne Erfolg! Trotz einer Homepage, die den Weg erklärte und Google Maps, konnten wir diesen Abandoned Place einfach nicht finden! Aber am Ende war es trotzdem eine nette Wanderung und so kann man eben auch neue Leute kennen lernen 😀

Whistler Train Wreck Hike

Allerdings hatten wir auch ein kleines Ass im Ärmel! Von unserem australischen Freund Craig, den wir in Whistler trafen, um mit ihm zusammen durch die Rockies bis nach Banff zu reisen, hörten wir von einem anderen Ort, der ebenfalls sehr interessant klang: der Whistler Train Wreck Hiking Trail. Vor einigen Jahrzehnten entgleiste ein Zug südlich von Whistler in der Nähe des heutigen Stadtteils Function Junction. Sieben Wagons ließ man einfach im Wald am Cheakamus River liegen. Mit der Zeit wurden aus diesen Wagons – dank Grafitti-Künstlern – kleine Kunstwerke und aus dieser Gegend damit ein toller Ort zum Wandern, Spazieren oder sogar Downhill-Mountainbiking. Außerdem führt eine Hängeseilbrücke über den Fluss, die nicht minder sehenswert ist.

Aber auch hier ist es so, dass die Ausschilderung eher suboptimal ist und der Zugang zum Hiking Trail etwas versteckt über eine Art Haltebucht am Highway 99 möglich ist. Aber mittels Google Maps ist es eigentlich ziemlich einfach zu finden.

Weiterreise nach Kamloops

Am nächsten Tag waren wir dann endlich wieder on the road in Richtung Rocky Mountains! Nächster Halt: Kamloops. Landschaftlich war es vor allem in den Bergen kurz hinter Whistler sehr interessant. Hier erwarteten uns die ersten wunderschönen Bergseen und in den höheren Lagen noch wahre Schneemassen. Der Highway 99 führte immer entlang hoher Bergmassive und traumhafter Flüsse. Am noch fast komplett zugefrorenen Duffey Lake machten wir unsere erste Pause und bestaunten diesen riesigen See. Aus den anliegenden Bergen strömte das Schmelzwasser in den See und somit war der Duffey Lake umringt von kleineren und größeren Wasserfällen. An der äußersten Spitze des Sees befinden sich zudem Berge von Treibholz, die natürlich zum Klettern einluden.

Der Duffey Lake und der Seton Lake liegen direkt am Highway 99

Weiter ging es durch diese wunderschöne kanadische Bergwelt, bis wir wieder einen Stop einlegten. Angelockt von der wunderschönen blauen Farbe des Seton Lakes, nutzen wir die Gelegenheit am Rand des Sees eine Mittagspause einzulegen. Der Seton Lake war schon komplett aufgetaut und einige Kayaker und Boote waren bereits darauf unterwegs.

Kurz danach änderte sich die Landschaft abrupt und wir ließen die hohen Berge erst einmal hinter uns. Einige hundert Kilometer vor und hinter Kamloops ist es landschaftlich weniger interessant. Hier gibt es viele Felder und Landwirtschaft. Auch Kamloops als Stadt ist eher nur für einen Zwischenstopp geeignet. Übernachtet haben wir hier im The Plaza, ein sauberes und nettes Hotel im Zentrum. Gebucht haben wir unsere Unterkünfte in Kanada übrigens immer sehr spontan über Booking.com oder Airbnb. Wenn unsere Unterkunft eine Küche hatte, haben wir meist selbst gekocht. In Kamloops war dies nicht der Fall, daher gab es abends noch leckeres indisches Essen, und zwar hier: Vyanjan Fine Indian Cuisine (ca. 15 CAD pro Essen + Getränke).

Die Rocky Mountains – Auf in die Wildnis!

Am Fuße der Rocky Mountains – einfach unglaublich!

Am nächsten Tag brach dann unser letztes Stück der ersten Etappe in die Rocky Mountains an. Und besser hätten uns die Rockies eigentlich nicht begrüßen können, denn wir konnten gleich zwei Bären entlang des Highways beobachten! Der erste, und scheinbar noch relativ junge Bär, befand sich auf einer Lichtung ein kleines Stück von der Straße entfernt. Nachdem wir anhielten, wurden wir auch sehr neugierig in Augenschein genommen. Offensichtlich waren wir dann aber doch zu langweilig und er schlenderte zurück in den Wald 🙂

Der zweite und viel größere Artgenosse, erwartete uns dann nur kurze Zeit später direkt an der Straße. Er zupfte gerade ganz friedlich das junge Gras und ließ sich von uns gar nicht stören. Vom sicheren Jeep aus, konnten wir ihn dann eine ganze Weile beobachten, bis auch er so langsam wieder Richtung Wald verschwand.

Weiter ging es dann in Richtung Jasper Nationalpark. Aber mehr dazu im nächsten Reisebericht!

4 Comments

  1. Antworten

    Kai Trouber

    22. Juni 2018

    Richtig schönes Design deiner Bilder / Reiseberichtes, dass muss ich einfach schon mal vorweg sagen. 🙂

    Kanada würde ich auch gerne noch mal liebend gerne bereisen (das erste mal war ich 3 Jahre alt … zählt nicht wirklich). Da ihr ja alleine am Straßenrand schon so viele Bären gesehen habt war das Gefühl beim Wandern in den National Parks nicht ein bisschen merkwürdig? Habt ihr mitbekommen, dass es irgendwelche Probleme mit den Bären dort gab?

    • Antworten

      Jessica

      22. Juni 2018

      Hallo Kai, vielen Dank für dein Feedback! Das freut mich wirklich sehr 🙂
      Ja, ich verstehe was du meinst und tatsächlich denkt man bei Wanderungen schon darüber nach, dass jeden Moment ein Bär auftauchen könnte. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist sehr sehr gering! Das bestätigten uns auch noch mal befreundete Kanadier. Ich denke, dass man Bären öfter mal am Straßenrand sieht, liegt daran, dass sie dort verschiedene Nahrungsquellen finden: frisches Gras, Beerenbüsche und (leider) Abfälle, die aus Autos geworfen wurden.
      Bei Wanderungen sollte man einfach darauf achten auf sich aufmerksam zu machen (laut sprechen, Musik hören,..) und/oder in größeren Gruppen wandern gehen, denn Bären meiden in der Regel den Kontakt zum Menschen. Außerdem sollte man Aushänge beachten, denn falls es Bärensichtungen gibt, weisen Ranger auch darauf hin und sperren ggf. Wege.
      Übrigens haben wir einen befreundeten Kanadier gefragt, was man tun soll, falls man doch mal einem Bären begegnet und das war die Antwort:
      “They prefer to greet by shaking hands. Usually the right hand. Never high five them.” 😉
      Liebe Grüße, Jessica

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