Reisefotografie: 15 einfache Tipps für bessere Reisefotos

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Eine Reise ist etwas, was man lange in Erinnerung behalten möchte, daher sind den meisten von uns schöne Urlaubsfotos heilig. Aber wie entstehen eigentlich richtig gute Reisefotos, die über Selfies und verwackelte Bilder vom Sonnenuntergang hinausgehen und die man sich gerne ins Fotoalbum klebt oder sogar an die Wand hängt? Da es auf meinem Blog nicht nur ums Reisen geht, sondern auch um die Fotografie, möchte ich euch mit meinen 15 einfache Tipps für bessere Reisefotos inspirieren und helfen, noch viel mehr aus euern Fotos herauszuholen. Denn manchmal machen schon Kleinigkeiten einen gewaltigen Unetrschied!

#1 Tipps für bessere Reisefotos: Location Scouting – recherchiere fotogene Orte

Vorbereitung ist alles! Heute haben wir so viele Möglichkeiten uns vorab über unser Reiseziel zu informieren, dass man manchmal sogar den Überblick verlieren kann. Aber wenn man gezielt nach Fotolocations sucht,  kann man nie genug Infos haben.

Daher solltet ihr euch schon vor der Reise Orte heraussuchen, die ihr unbedingt besuchen und fotografieren möchtet. Ich nutze dazu ein Mischung aus verschiedenen Quellen, dazu zählen natürlich klassische Medien wie Blogs und Reiseführer, aber auch vermehrt Apps. Besonders empfehlen kann ich euch die App Mapify (keine bezahlte Werbung), in der ihr gezielt nach eurem Reiseziel suchen könnt. Hier stellen andere Nutzer Fotos von interessanten Orten ein und zwar meist sogar mit genauer Adresse. Die App eignet sich daher besonders, um auf Geheimtipps und noch weniger bekannte Fotospots zu stoßen. Weiterhin ist natürlich Instagram sehr gut geeignet, um Fotolocations in eurem Urlaubsziel zu recherchieren.

Berühmt durch Instagram – manche Orte und Fotospots werden durch Social Media Kanäle erst bekannt (New York City / USA) – Eine Liste der besten Fotospots in New York findet ihr übrigens auf meinem Blog!

#2 Die Ausrüstung – überlege dir, was du brauchst … und was nicht.

Je professioneller und größer die Fotoausrüstung wird, desto mehr muss man auch mit sich rumschleppen. Zumindest wenn man sich beim Reisen nicht auf das Wesentliche festlegt. Überlege dir also am besten vorher, welche Objektive und welches Kamerazubehör du an deinem Urlaubsziel wohl am ehesten verwenden wirst. Hast du vor Langzeitbelichtungen zu machen und brauchst daher ein Stativ? Was ist mit Makrofotos?

Sich vorher ein paar Gedanken dazu zu machen, kann einem am Ende viel Gewicht und Platz im Koffer sparen.

Überlegt euch vor der Reise welche Objektive und welches Kamerazubehör ihr wirklich braucht (Vancouver Island / Kanada)

#3 Fotografiere im RAW-Format

Bei RAW-Dateien handelt es sich – wie der Name schon sagt – um unverarbeitete, rohe Bilddateien. Man könnte auch sagen: digitale Negative. Im Gegensatz zum Fotografieren in JPEG, nimmt die Kamerasoftware hier keine eigene Bearbeitung vor. Dadurch bleiben die Bildinformationen erhalten und ihr habt bei der Nachbearbeitung einen viel größeren Handlungsspielraum. Das betrifft bei der Bildbearbeitung vor allem so wichtige Einstellungstools, wie die Helligkeit, den Weißabgleich und die Farbkorrektur.

Wenn ihr nicht jedes Bild im Nachhinein bearbeiten möchtet, könnt ihr eure Bilder auch gleichzeitig in RAW und JPEG fotografieren. Das lässt sich an den meisten Kameras so einstellen. Für die Weiterverarbeitung von RAW-Dateien nutze ich am liebsten Adobe Lightroom. Wenn man sich erst einmal damit beschäftigt hat, ist dieses Bildbearbeitungsprogramm sogar relativ intuitiv und man kann seine Reisefotos mühelos ordnen und bearbeiten.

Durch RAW-Dateien kann man aus Fotos viel mehr rausholen! (Teneriffa / Spanien)

#4 Achte auf die richtige Lichtstimmung

Was viele immer noch vergessen – für gute Fotos ist das richtige Licht der Schlüssel zum Erfolg! Generell gilt, dass vor allem das weiche Morgenlicht in der Zeit nach Sonnenaufgang und das warme Abendlicht vor dem Sonnenuntergang euren Bildern die richtige Stimmung verleihen. Versucht das Fotografieren während der Mittagszeit zu vermeiden – aber klar, manchmal geht es einfach nicht anders. Versucht die Motive in solchen Fällen einfach so auszuwählen, dass ihr die Sonne im Rücken habt. Wenn ihr Porträtfotos machen wollt, sollte sich das Model in den Schatten stellen, um Schlagschatten im Gesicht zu vermeiden.

Das kleine Dörfchen Masca im Sonnenuntergang – durch das warm einfallende Licht bekommt das Bild die richtige Stimmung (Teneriffa / Spanien)

#5 Spiele mit der Belichtungszeit

Dieser Tipp ist vor allem etwas für die fortgeschritteren Fotografen unter uns, die sich gut mit ihrer Kamera auskennen. Durch das Spiel mit der Belichtungszeit, kann man aus seinen Fotos noch viel mehr herausholen. Besonders bei der Fotografie von Wasser (Meer, Wasserfälle, etc.) kann der Einsatz von Langzeitbelichtung euren Bildern einen Hauch von Professionaliät einhauchen. Bei meinem Beispielbild seht ihr, dass das Wasser durch die lange Belichtungszeit ganz weich geworden ist und auch die Wolken verwischt sind. Abgesehen davon, dass das eine schöne Ästhetik ins Bild bringt, wird der Fokus auch noch umso mehr auf die Skyline gelenkt. Eine lange Belichtungszeit kann auch bei Fotos von stark besuchten Orten hilfreich sein. Je nachdem wie lange ihr belichtet werden Personen, die durchs Bild laufen, entweder unscharf bzw. verwischt oder verschwinden sogar komplett.

Wichtig ist, dass ihr bei Langzeitbelichtungen einen festen Untergrund habt oder – im Idealfall – ein Stativ und einen Fenauslöser. So könnt ihr euer Foto ohne Wackler für mehrere Sekunden bis Minuten aufnehmen.

Tipps für bessere Reisefotos: Durch die Langzeitbelichtung wirken Wasser und Himmel viel weicher und schöner (New York City / USA)

#6 Fotografiere Menschen

Ein Foto von einem Bauwerk oder einer Landschaft ist schön und gut. Oft kann man dem Bild aber mehr Leben einhauchen, wenn sich eine Person darin befindet. Die muss nicht unbedingt Urlaubsbild-typisch in die Kamera grinsen, sondern kann durchaus durchs Bild laufen, den Rücken zu kehren oder ähnliches. Lasst eurer Fantasie freien Lauf!

Gerade in Städten versucht man ja oft eher wenige Personen im Bild zu haben, manchmal peppt ein vorbeifahrender Skateboarder oder Radfahrer ein Foto aber sogar auf. Auch größere Menschenmengen können einem Foto eine schöne Dynamik verleihen.

Ungewöhnliche Perpektiven und ein gut platziertes Model können einem Bild mehr Leben einhauchen (San Francisco / USA)

#7 Tipps für bessere Reisefotos: Authentische Porträts

Schöne Reisefotos können Vielfalt ins Fotoalbum bringen – wenn man es richtig anstellt. Anstatt nur Architektur oder nur Landschaft zu fotografieren, versucht doch einfach eine gute Mischung herzustellen. Vor allem durch Porträts bringt ihr eine gewisse Authentizität und Vielfalt in eure Auswahl. Das können Fotos von euren Mitreisenden sein oder aber auch von Einheimischen des bereisten Landes. Was aber nicht heißen soll, dass ihr jeden Menschen einfach ungefragt ablichten sollt. Zeigt den Menschen gegenüber Respekt und fragt sie, ob sie überhaupt fotografiert werden möchten. Das kann auch ein schöner Gesprächseinstieg sein, um in Kontakt mit einer anderen Kultur zu kommen. Außerdem brauchen gute und authentische Portraits auch etwas Zeit.

Wenn man Portraits von Locals macht, sollte man vorher immer fragen! (Trinidad / Kuba)

#8 Goldener Schnitt, die Drittregel & leitende Linien

In der Fotografie gibt es verschiedene Regeln, die dazu dienen eine ansprechende und harmonische Bildgestaltung zu erzielen. Hierzu zählen die Drittelregel, die Fibonacci-Spirale (Goldene Spirale) und – wahrscheinlich am bekanntesten – der Goldene Schnitt. Diese Regeln dienen zur Orientierung bzw. als Hilfsmittel, müssen aber nicht immer Anwendung finden! Eine ausführliche Erklärung der Regeln würde den Artikel hier sprengen, als Faustregel könnt ihr euch aber folgendes merken: Zieht euch in gleichen Abständen jeweils zwei Linien waagerecht und senkrecht durchs Bild, wodurch 9 Abschnitte entstehen. Die meisten Kameras zeigen dieses Raster bereits standardmäßig, wenn ihr durch den Sucher schaut. Euer Objekt, dass ihr fotografieren möchtet, sollte entweder am Schnittpunkt zweier Linien platziert werden oder an einer Linie entlang verlaufen. In meinem Beispielbild, ist das die Emerald Lake Lodge im Yoho Nationalpark in Kanada, die sich an der linken, senkrechten (imaginären) Linie befindet.

Wenn es die Umgebung zulässt, könnt ihr außerdem mit leitenden Linien arbeiten, die den Blick des Betrachters auf einen bestimmten Punkt lenken. Wenn ihr euch mein Bild anschaut, führen sowohl die Linien des Geländers als auch die der Wasserkante und der Berge den Blick Richtung Lodge.

Das kleine Haus liegt genau im Goldenen Schnitt und verschiedene Linien im Bild führen den Blick des Betrachters genau dorthin (Emerald Lake, Yoho NP / Kanada)

#9 Nutze ungewöhnliche Perspektiven & experimentiere mit deiner Komposition

Ihr habt doch bestimmt schon mal Fotografen gesehen, die auf dem Boden rumkriechen, oder? Keine Angst, die sind nicht verrückt (naja, vielleicht ein bisschen), sondern nur auf der Suche nach einer anderen, besseren Perspektive. Manchmal macht es einen riesigen Unterschied ein Motiv aus der Hocke, von einer Erhöhung, irgendwo hindurch zu fotografieren

Einfach mal die Perspektive wechseln! (Siena / Italien)

#10 Die Bildsprache – was soll dein Bild erzählen?

Manchmal sind wir auf Reisen von einem Ort oder einer Situation so sehr gefesselt, dass wir am liebsten drauf los fotografieren würden. Aber um bessere Reisefotos zu machen, lohnt es sich, sich zunächst erstmal Gedanken zum Motiv und zum Bildaufbau zu machen. Denn nichts ist langweiliger, als ein Foto, dass weder eine Geschichte noch eine Aussage enthält oder das man in der Art schon hundertfach gesehen hat.

Bestes Beispiel hierfür sind Fotos von Stränden im Sonnenuntergang, denn auch der schönste Traumstrand wirkt auf einem Bild eher langweilig, wenn nur Sand, Meer und die untergehende Sonne zu sehen sind. Versucht daher zu schauen, wie ihr euren Standpunkt wählt. Gibt es an dem Strand interessante Elemente, die ihr in den Fokus rücken könnt? Was macht diesen Strand einzigartig? Gibt es vielleicht spannende Perspektiven, die ihr einnehmen könnt? Macht euch einfach ein paar Gedanken hierzu und dann steht einem traumhaften Reisefoto nichts mehr im Weg.

Eine Surferin auf Vancouver Island im Sonnenuntergang (Tofino / Kanada)

#11 Tipps für bessere Reisefotos: Achte auf den Vordergrund

“Vordergrund macht Bild gesund“ – Diese kleine Fotografie-Weisheit trifft vor allem dann zu, wenn ihr weitwinklig fotografiert. Ein Objekt im Vordergrund verleiht dem Bild Tiefe und zieht den Blick des Betrachters regelrecht in die Szene. Dadurch wirkt ein Foto automatisch interessanter und erzählt im besten Fall eine Geschichte.

Vor allem bei Landschaftsaufnahmen sollte man sich so positionieren, dass man Elemente die man dort vorfindet, für den Vordergrund des Bildes verwendet. Das kann alles Mögliche sein, wie ein Fels, ein Zaun, Blumen, eine Bank, oder ähnliches. Aber auch eine Person oder ein Tier sind für den Zweck bestens geeignet. Als Beispiel möchte ich euch dieses Foto aus Havanna zeigen. Ich hätte auch einfach ein Foto der farbenprächtigen Häuser machen können, durch den vorbeifahrenden Oldtimer im Vordergrund wirkt das Bild aber viel lebendiger und es erzählt eine Geschichte.

“Vordergrund macht Bild gesund!” – das Foto wirkt mit dem Oldtimer im Vordergrund viel belebter und interessanter (Havanna / Kuba)

#12 Im Dunkeln fotografieren

Nachts bzw. in dunklen Lichtverhältnissen noch gute und scharfe Fotos zu machen, ist gar nicht so einfach. Wenn man aber ein paar Dinge beachtet, klappt es auch hier mit tollen und vor allem eindrucksvollen Fotos.

Mein erster Tipp: Wählt eine kürzere Belichtungszeit und einen höheren ISO. Dabei müsst ihr darauf achten, dass die Belichtungszeit auch nicht zu kurz wird, da dann das Bild zu dunkel wird. Auch den ISO sollte man nicht zu hoch einstellen, weil das Bild sonst womöglich anfängt zu „rauschen“. Das ist aber auch abhängig von eurer jeweiligen Kamera. Bei machen Modellen hat man da einen größeren Spielraum, bei anderen wiederum nicht. Hier müsst ihr also einfach ein bisschen probieren und die Kameraeinstellungen euren Gegebenheiten anpassen.

Soviel zu den Einstellungsmöglichkeiten. Bei schwachem Licht ist aber mindestens ebenso wichtig, die Kamera ruhig zu halten. Das gelingt am einfachsten durch ein Stativ oder einen festen Untergrund. Falls beides nicht vorhanden ist: Luft anhalten! 😉 Vor allem bei Langzeitbelichtungen solltet ihr euch zudem einen Fernauslöser zulegen. Die sind meist sehr günstig, dafür aber unglaublich hilfreich, um die Fotos nicht zu verwackeln

Die Brooklyn Bridge bei Nacht – die Lichter der Skyline Manhattans funkeln (New York City / USA)

#13 Achte auf einen geraden Horizont

Eigentlich selbstverständlich und doch sieht man sie immer wieder, die Urlaubsfotos mit einem schiefen Horizont. Zugegeben, gerade zu fotografieren ist gar nicht so einfach. Selbst mit den Hilfslinien, die die meisten Kameras bieten, will der verflixte Horizont nie so richtig gerade gelingen. Da muss man entweder sehr geduldig sein oder man macht es sich sehr einfach und rückt den Horizont in der Nachbearbeitung mit einem Klick gerade. Bildbearbeitungsprogramme machen es uns Nutzern da sehr leicht – es gibt also keine Ausreden mehr! 😉

Auf die Details – wie einen geraden Horizont – zu achten, wird einen großen Unterschied bei euren Reisefotos machen (Vava’u / Tonga)

#14 Konzentriere dich auf das Wesentliche!

Gerade wenn man zum ersten Mal an einem Ort ist, wird man leicht von den vielen neuen Eindrücken überwältigt und am liebsten möchte man jedes Detail in Fotos festhalten. Da passiert es schnell mal, dass man einfach wild drauf los fotografiert, ohne sich Gedanken über Komposition und Bildsprache zu machen. Auch wenn es vielleicht doof klingt, aber versuche einfach mal inne zu halten, dir einen Überblick zu verschaffen und genau zu überlegen, wie du die Szenerie am besten einfangen möchtest. Manchmal braucht man einfach nur einen perfekten Ausschnitt, um eine Stimmung aussagekräftig festzuhalten.

Achtet bei euren Reisefotos darauf, dass ihr euch auf wenige Bestandteile im Bild beschränkt. Für mich funktionieren Reisefotos am besten, wenn sie drei aussagekräftige Elemente enthalten. Bei diesem Bild aus Cienfuegos sind das der Fahrradfahrer, die Häuser und die Palmen. Ohne den Fahrradfahrer, wäre die Szene zu langweilig. Wären hingegen noch mehr Objekte im Bild, wie Autos oder viele Menschen, wäre einfach zu viel los. Natürlich kann man das nicht immer beeinflussen, aber manchmal klappt das alleine schon dadurch, dass man etwas Geduld aufbringt.

Weniger ist manchmal mehr – konzentriert euch auf wenige Elemente im Bild, um es nicht zu überladen (Cienfuegos / Kuba)

#15 Tipps für bessere Reisefotos: Nimm dir Zeit!

Oft haben wir es viel zu eilig – selbst beim Reisen! Für wirklich gute Fotos braucht es aber oft viel Ruhe und Geduld. Man sollte sich zum Motiv Gedanken machen und die oben genannten Punkte berücksichtigen. Schnell mal ein Foto knipsen kann schließlich jeder, aber sich wirklich Zeit für sein Foto zu nehmen wird einen riesigen Unterschied machen – versprochen!

Oft nimmt man Orte dadurch auch viel intensiver wahr und verweilt dort einfach länger. Wie oft war ich schon an Sehenswürdigkeiten und habe eine halbe Stunde oder länger dort verharrt, bis das perfekte Foto dabei heraussprang. Dabei kamen und gingen andere Touristen um mich herum gefühlt im 2-Minuten-Takt.

In der Fotografie braucht man oft viel Ruhe, Geduld und Zeit – aber es lohnt sich! (Ucluelet / Kanada)

Ich hoffe, meine Tipps für bessere Reisefotos haben euch weitergeholfen. Habt ihr noch Fragen oder Anmerkungen zu dem Thema? Dann schreibt mir gerne eine Nachricht oder kommentiert einfach unter diesem Beitrag.

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